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Vierter negativer VKI Test in Serie. Weniger Lobbyismus und meh Qualität wäre gefragt!
Geschrieben von Dr.med. Gerhard Imb   
24. Juli 2011 um 17:06

PRESSEINFORMATION Wien, 22. Juni 2011

KONSUMENT: Schlankheitsmittel Alli – zu leicht fu?r alle zu kriegen Utl.: 16 Wiener Apotheken im Test: Trotz Gegenanzeige wurde in 50 Prozent der Testka?ufe an eine Minderja?hrige bzw. eine stillende Mutter verkauft

Im Herbst 2008 beschloss die zusta?ndige EU-Beho?rde, das Schlankheitsmittel Xenical mit geringerer Wirkstoffdosierung als rezeptfreies Medikament unter dem Namen Alli zuzulassen. Der Vorteil fu?r die Herstellerfirma: Das Schlankheitspra?parat konnte ab diesem Zeitpunkt direkt bei den Patienten beworben werden – was auch intensiv geschah. Bedenken von europa?ischen Verbraucherschu?tzern, Jugendliche oder Patienten mit Esssto?rungen ko?nnten das Pra?parat missbra?uchlich verwenden, wurden von der Europa?ischen Arzneimittelagentur (EMA) beiseite geschoben. Das Argument: Alli habe kein Missbrauchspotenzial und sei apothekenpflichtig, die Apotheker wu?rden fu?r die zula?ssige Abgabe Sorge tragen.

Der Verein fu?r Konsumenteninformation (VKI) hat dieses Argument auf seine Stichhaltigkeit u?berpru?ft: Zwei Testpersonen – eine schlanke Minderja?hrige und eine stillende Mutter – an die das Schlankheitsmittel Alli nicht abgegeben werden du?rfte, suchten 16 Wiener Apotheken auf. „Das Testurteil besta?tigt unsere Vorbehalte: Zwo?lf von 16 Apotheken u?ben die von der Europa?ischen Arzneimittelaufsicht (EMA) vorgesehene Kontrollfunktion nur bedingt oder gar nicht aus“, kritisiert Ing. Franz Floss, Gescha?ftsfu?hrer des Vereins fu?r Konsumenteninformation (VKI). „Dabei weist das Schlankheitsmittel – abgesehen von der Missbrauchsgefahr – nicht unbetra?chtliche Nebenwirkungen, wie Durchfall oder ,Fettstuhl’ auf.“

Sehr gute Resultate erzielten die Gasometer-, Nordrand-, Sandleiten- und St. Anna Apotheke. Sie verweigerten die Abgabe von Alli. Mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet wurden hingegen folgende Apotheken, die beiden Testpersonen das Schlankheitsmittel ausha?ndigten: Apotheke zum „Gru?nen Kreuz“, Gersthofer Apotheke, Heilborn-Apotheke und Krim-Apotheke.

Was ist Alli?

In Alli steckt der Wirkstoff Orlistat, der in O?sterreich bereits seit 1999 unter der Bezeichnung Xenical als rezeptpflichtiges Medikament auf dem Markt ist. Orlistat wirkt hemmend auf die Fettverdauung. Etwa ein Viertel der mit der Nahrung aufgenommenen Fette wird unverdaut wieder ausgeschieden. Der Unterschied zwischen Xenical und Alli besteht in der Dosierung des Wirkstoffs. Eine Kapsel Xenical entha?lt 120 Milligramm Orlistat, Alli nur die Ha?lfte. Hintergrund ist, dass der Pharmakonzern GlaxoSmithKline Alli als rezeptfreie Variante auf den Markt bringen wollte, was die zusta?ndigen EU-Beho?rden im Herbst 2008 auch genehmigten. Anders als bei Xenical ist es damit erlaubt, das Medikament direkt bei den Konsumenten zu bewerben.

Zula?ssig ist die Abgabe von Alli nur fu?r u?bergewichtige Erwachsene mit einem Body-Mass- Index von mehr als 28 (z.B. ab 165 cm Gro?ße bei 81 kg) sowie mit der Empfehlung fu?r eine fettreduzierte Erna?hrung. An Kinder und Jugendliche sowie an schwangere und stillende Frauen darf Alli nicht abgegeben werden, da die Wirkung des Medikamentes fu?r diese Zielgruppe nicht getestet wurde. Mo?gliche Nebenwirkungen sind hier daher nicht vorhersehbar.

Was bewirkt Alli?

Grundsa?tzlich „positiv“ an Alli ist: Es wirkt. Und zwar hauptsa?chlich, weil gute Empfehlungen fu?r ein Bewegungs- und Erna?hrungsprogramm mitgegeben werden. Die Wirkung von Alli ist allerdings minimal. Ha?lt man sich an die Erna?hrungsregeln, ermo?glicht Alli lediglich die Abnahme von 60 bis 80 Gramm pro Woche mehr, als wenn man sich an der vom Hersteller empfohlenen Dia?t orientieren wu?rde. Damit verbunden sind aber mo?gliche Nebenwirkungen – unter anderem die Gefahr von Durchfall oder eines „Fettstuhles“. Weiters ist problematisch, dass fettlo?slichen Vitamine, wie etwa A, D, E und K ebenso mit dem gebundenen Fett ausgeschieden werden und so nicht mehr dem Ko?rper zur Verfu?gung stehen. Zudem kann durch die Einnahme von Alli die Wirksamkeit der Pille beeintra?chtigt werden. Nur in einer von zehn Apotheken, in denen Alli an die minderja?hrige Testperson verkauft wurde, wurde diese gefragt, ob sie mit der Pille verhu?tet.

Nicht zuletzt birgt Alli die Gefahr von Missbrauch: Zwei Tabletten statt einer reichen aus, um das Niveau von Xenical zu erreichen. So warnt auch der Europa?ische Verbraucherverband BEUC, dass Jugendliche oder Personen mit Esssto?rungen das als Lifestyle-Produkt inszenierte Alli missbra?uchlich verwenden ko?nnten und als „Einstiegsdroge“ in den Schlankheitswahn nutzen. Dass derartige Befu?rchtungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt eine zusa?tzliche Umfrage des VKI unter 55 o?sterreichischen Esssto?rungszentren, die ja?hrlich rund 900 Minderja?hrige betreuen: 45 Prozent der Patienten verwenden demnach Medikamente bzw. Abnehmprodukte missbra?uchlich, 15 Prozent davon Alli.

Alli: Keine Option fu?r Normalgewichtige

VKI-Gesundheitsexpertin Dr. Ba?rbel Klepp: „Alli ist mit Sicherheit keine Option fu?r Normalgewichtige und schon gar nicht fu?r stillende Mu?tter oder Minderja?hrige. Eine sinnvolle Gewichtsreduktion la?sst sich nur durch verminderte Energieaufnahme und Bewegung erzielen. Die Einnahme von Schlankheitsmitteln ist auf Dauer kein Weg zur Gewichtsabnahme. Denn: Es gibt einfach keine Abnehm-Wunderpillen. Derartige Mittel haben immer auch Nebenwirkungen und du?rfen zudem nur u?ber einen begrenzten Zeitraum angewendet werden. Auch Alli ist keine la?ngerfristige ,Lo?sung’, da es nur fu?r die Dauer eines halben Jahres angewendet werden darf.“

Sa?mtliche Informationen zum Test gibt es ab dem 24.6. im Juli-Konsument und ab sofort auf www.konsument.at.

Ru?ckfragehinweis: Verein fu?r Konsumenteninformation/Testmagazin KONSUMENT, Mag. Andrea Morawetz, O?ffentlichkeitsarbeit, Tel.: 01/588 77-256, E-Mail:

 

http://help.orf.at/stories/1684335/
Fragwürdige Schlankheitsmittel-Abgabe in Apotheken

Der Verein für Konsumenteninformation hat für die Zeitschrift "Konsument" getestet, wie gut die Kontrolle in Apotheken funktioniert. Testobjekt war ein rezeptfreies Schlankheitsmittel, das nicht an unter 18-Jährige und stillende Mütter abgegeben werden darf. Die Testkäuferinnen, eine schlanke 15-Jährige und eine stillende Mutter, bekamen dieses Medikament aber in vielen Apotheken ohne Probleme ausgehändigt .

Kategorie: Gesundheit

Gutes Geschäft

Der Wirkstoff Orlistat hemmt die Fettverdauung, da rund ein Viertel der mit der Nahrung aufgenommenen Fette unverdaut wieder ausgeschieden wird. Er kam zuerst als rezeptpflichtiges Medikament Xenical auf den Markt. Im
 Herbst 2008 wurde das Schlankheitsmittel Xenical mit halbierter Wirkstoffdosis auch als rezeptfreies Medikament unter dem Namen Alli zugelassen. Damit konnte der Hersteller, der Pharmakonzern GlaxoSmithKline das Schlankheitspräparat massiv bewerben.

Auf Kritik von Verbraucherschützern, das Präparat könne missbräuchlich verwendet werden, hieß es von der EMA, die Apotheker würden dafür sorgen, dass Alli nur bei zugelassenen Indikationen abgegeben werde. Für unter 18-Jährige und stillende Mütter ist es nicht zugelassen.

Nicht für Jugendliche

Ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation belegt allerdings in vielen Fällen das Gegenteil. Denn nur vier von 16 Apotheken verweigerten beiden Testpersonen - einer sehr schlanken 15-Jährigen und einer stillenden Mutter - den Kauf. Die Jugendliche bekam das Präparat zehn Mal ausgehändigt und wurde nur ein einziges Mal nach ihrem Alter gefragt, was die
 VKI-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp schockiert hat. Jugendliche dürfen dieses Produkt nicht einnehmen, weil dadurch auch fettlösliche Vitamine wie zum Beispiel das Vitamin D, das im Wachstum besonders wichtig ist, ausgeschieden wird, sagt Klepp.

Stillende Mütter

Die stillende Mutter bekam das Schlankheitsmittel immerhin auch sechs Mal ausgehändigt. Dabei ist Alli laut Bärbel Klepp auch für diese Personengruppe nicht zugelassen, weil es keine entsprechenden klinischen Tests gibt. Alli wurde weder an Jugendlichen getestet, noch an stillenden Müttern, sagt Klepp. Das bedeutet laut VKI-Expertin, dass man hier in einem Bereich ist, wo man einfach nicht weiß, was man riskiert.

Reaktion der Apothekerkammer

Bei der für die getesteten Apotheken zuständigen Wiener Apothekerkammer zeigt man sich von den Testergebnissen betroffen. Besonders bedenklich findet die Kammer die auch ihrer Meinung nach mangelhafte Beratungsqualität in den Apotheken. Hier will man jetzt mit Aufklärungskampagnen gegensteuern, wurde versichert.

Weitere Informationen zum Thema heute um 18.30 in konkret auf ORF2

Für die VKI-Gesundheitsexpertin Bärbl Klepp lässt das Testergebnis jedenfalls nur zwei Vermutungen zu: Dass die Apotheker entweder nicht wissen, dass dieses Produkt für diese Testpersonen nicht geeignet ist oder aber sie wissen es und geben das Produkt trotzdem ab. Beide Versionen, egal wie man es dreht und wendet, würden Apotheken kein gutes Zeugnis ausstellen, sagt Klepp.

Jetzt will man europaweit gemeinsam mit anderen Verbraucherschützern
 Verbesserungen erreichen.

Erstellt am 22.06.2011.

 

Zuletzt überarbeitet ( 24. Juli 2011 um 17:09 )
Seniorenrat vom 15. Juni 2011
Geschrieben von Dr.med. Gerhard Imb   
13. Juli 2011 um 15:29

Standard:

KLEINE DÖRFER

Seniorenrat pocht auf ärztliche Hausapotheken

15. Juni 2011, 13:45

 Blecha und Khol warnen vor Arztpensionierungen - Gesetzesnovelle gefordert

Wien - Im langjährigen Zwist zwischen Apothekerkammer und Ärztekammer um die ärztlichen Hausapotheken stärkt der Seniorenrat den Ärzten den Rücken. Hausapotheken seien für die medizinische Versorgung "unverzichtbar" und "absolut notwendig", betonten die Pensionistenvertreter Karl Blecha (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Seniorenvertreter unterstützen die Forderungen von Ärztekammer nach einer Gesetzesnovelle gegen eine weitere Reduzierung von ärztlichen Hausapotheken. 

Im Kern geht es um die 2006 per Gesetz beschlossene Regelung, dass eine bestehende ärztliche Hausapotheke innerhalb von sechs Kilometern Entfernung von einer öffentlichen Apotheke bei Übergabe der Praxis nicht mehr weiterbestehen darf. 116 Kassenplanstellen würden in nächster Zeit durch Pensionierungen frei und drohten ihre Hausapotheken zu verlieren, warnte Blecha, Präsident des SP-Pensionistenverbands (PVÖ). Zwei Drittel der am Land niedergelassenen Praxen würden sich ohne Hausapotheke nicht rentieren, warnte Blecha und sieht dringenden Handlungsbedarf.

Hausapotheken "auch in kleinen Orten" 

Der Seniorenrat drängt auf ein Gesetz, das eine weitere Reduzierung verhindert. "Wir werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür kämpfen, dass auch in kleinen Orten Ärzte und Hausapotheken sind", kündigte auch VP-Seniorenbundpräsident Khol an. Der Seniorenrat habe diesbezüglich Kontakt mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) aufgenommen, der Unterstützung signalisiert habe.

Über 900 ärztliche Hausapotheken gibt es derzeit in Österreich, so die von Blecha und Khol vorgelegten Zahlen. Laut dem Seniorenrat versorgen sie zwei Millionen Menschen und stellen in ländlichen Gebieten eine ausreichende Versorgung von älteren und ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen sicher.

Krone:

Streit über ärztliche Hausapotheken geht weiter

Im langjährigen Zwist zwischen Apothekerkammer und Ärztekammer über die ärztlichen Hausapotheken stärkt der Seniorenrat den Ärzten den Rücken. 

Hausapotheken seien für die medizinische Versorgung „unverzichtbar“ und „absolut notwendig“, betonten die Pensionistenvertreter Karl Blecha (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) heute bei einer Pressekonferenz.

Die Seniorenvertreter unterstützen die Forderungen der Ärztekammer nach einer Gesetzesnovelle gegen eine weitere Reduzierung von ärztlichen Hausapotheken. 

Neues Gesetz gefordert

Im Kern geht es um die 2006 per Gesetz beschlossene Regelung, dass eine bestehende ärztliche Hausapotheke innerhalb von sechs Kilometer Entfernung von einer öffentlichen Apotheke bei Übergabe der Praxis nicht weiterbestehen darf.

116 Kassenplanstellen würden in nächster Zeit durch Pensionierungen frei und drohten ihre Hausapotheken zu verlieren, warnte Blecha, Präsident des SPÖ-Pensionistenverbands (PVÖ). Zwei Drittel der auf dem Land niedergelassenen Praxen würden sich ohne Hausapotheke nicht rentieren, warnte Blecha und sieht dringenden Handlungsbedarf. Der Seniorenrat drängt auf ein Gesetz, das eine weitere Reduzierung verhindert. 

Publiziert am 15.06.2011

Blecha: Hausapotheken sichern medizinische Versorgung im ländlichen Raum

© OTS

(PR-inside.com 15.06.2011 12:45:03) - Seniorenratspräsident Karl Blecha hat heute, Mittwoch, im Rahmen einer Pressekonferenz des Österreichischen Seniorenrates an wichtige seniorenpolitische Anliegen erinnert, die "bis heute unerledigt sind". Die noch immer aktuellen Forderungen des Österreichischen Seniorenrats sind der Erhalt von Hausapotheken, eine Reform des Pensionskassengesetzes sowie die Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters. Blecha sprach sich zudem für ein bundeseinheitliches Krankenanstaltengesetz aus. "Ohne eine Stärkung der Bundeskompetenz wird das Spitalswesen nicht gesunden", so Blecha.

Blecha betonte, dass sich der Österreichische Seniorenrat seit 2008 vehement für die Erhaltung der Hausapotheken, die wesentlich für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sind, einsetzt. Der Seniorenrat unterstützt daher eine aktuelle Initiative dutzender Bürgermeister, die eine Novelle des Apothekengesetzes fordern. "Nur durch die ärztlichen Hausapotheken wird die Versorgung mit Medikamenten für ältere und in der Mobilität eingeschränkte Personen gesichert", sagte Blecha. Aufgrund der derzeitigen gesetzlichen

Bestimmungen würden in nächster Zeit etwa 116 freie Kassenplanstellen ihre Hausapotheken-Bewilligung verlieren, warnte Blecha. Ohne Hausapotheke würden zwei Drittel der Ärzte unter die Rentabilitätsgrenze fallen. Es bestehe daher dringender Handlungsbedarf und die Zeit dränge, denn in den nächsten 15 Jahren würde die Hälfte der Ärzte in Pension gehen. "Unser Anliegen ist die flächendeckende medizinische Versorgung, deshalb müssen wir jetzt das Gesetz ändern", sagte Blecha. (Schluss) pl/bj Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien Tel.: 01/53427-275 www.spoe.at/impressum Digitale Pressemappe: www.ots.at/pressemappe/195/aom *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT *** OTS0221 2011-06-15/12:32

 

Zuletzt überarbeitet ( 13. Juli 2011 um 15:34 )
Kurier 02.05.2011
Geschrieben von Dr.med. Gerhard Imb   
02. Mai 2011 um 19:28

Hausapotheken: Aufstand der Landgemeinden

Im Kampf um medizinische Betreuung samt Hausapotheken entsteht eine Allianz von Gemeinden und Ärztekammer.

Letztes Update am 01.05.2011, 08:22

Hausapotheken Ärztekammer Podiumsdiskussion Paudorf 45 Gemeinden fordern eine Änderung des Apothekengesetzes, das die Schließung ärztlicher Hausapotheken erzwingt. 180 betroffene Menschen kamen zur Podiumsdiskussion.
Immer mehr ländliche Gemeinden bangen um die örtliche medizinische Versorgung, weil es oft kaum möglich ist, praktische Ärzte zu bekommen und Hausapotheken schließen müssen. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen (siehe Artikelende).

Das Problem dabei: Politikern, die in der Stadt leben, sei gar nicht bewusst, dass der Verlust von Hausapotheken für viele Menschen enorme Mühen bedeutet. Das betonte Elisabeth Pittermann, Gesundheitssprecherin des Pensionistenverbandes, bei einer von der Ärztekammer veranstalteten Podiumsdiskussion gestern in Paudorf, Bezirk Krems.

In einem Film kamen viele Menschen zu Wort, die beklagen, dass sie wegen der Schließung von Hausapotheken weite, zusätzliche Wege auf sich nehmen müssen, um Medikamente zu bekommen. Das trifft Pensionisten ohne Auto eben so hart wie Mütter mit Kindern.

ÖVP-Nationalrätin Anni Höllerer forderte deshalb die Betroffenen auf, ihre regionalen Abgeordneten entschieden auf das Problem hinzuweisen. "Derzeit fühle ich mich damit aber noch allein gelassen", meinte Höllerer, die allerdings betonte, dass viele Mandatare bereits über die Resolutionen und Bürgerinitiativen informiert seien.

Der Präsident des SPÖ-Pensionistenverbandes, Karl Blecha, sicherte den etwa 180 Teilnehmern der Veranstaltung volle Unterstützung zu: "Immerhin vertreten wir 2,5 Millionen Menschen. Wir müssen in ihrem Sinne alles tun, damit Landärzte nicht aussterben und deren Hausapotheken nicht verschwinden", sagte er.

Druck

"Dieses Problem betrifft die Hälfte der Bevölkerung, nämlich am Land, nicht in der Stadt. Wir fordern daher, dass wenigstens in ländlichen Gemeinden mit nur einem Arzt die Hausapotheke bleiben kann", betonte Anton Pfeifer, Bürgermeister von Grafenegg, Bezirk Krems.

"Die öffentliche Apotheke auf dem Berg nahe der Grenze unserer Gemeinden, wegen der unsere Hausapotheke schließen musste, ist in der Erreichbarkeit sowohl für uns als auch die Menschen in Furth ein Nachteil. Diese Resolution ist ein klarer Auftrag an die Politik", ergänzte Leopold Prohaska, Bürgermeister von Paudorf, Bezirk Krems.
"Wir wollen auch mit machen", kündigte Robert Fitzgerald, Gemeinderat aus Kirchstetten, Bezirk St. Pölten, an.

Gesetz: Novelle 2006 bremst Ärzte aus
45 Gemeinden in NÖ haben sich einer Resolution angeschlossen, die eine Novellierung des gültigen Apothekengesetzes fordern. Das wurde zuletzt 2006 geändert, um die Niederlassungsfreiheit öffentlicher Apotheken zu erreichen. Dabei wurde der bisherige Radius, der eine Hausapotheke eines Arztes ausschließt, von vier auf sechs Kilometer erhöht. Weil danach neue öffentliche Apotheken errichtet wurden, mussten viele Hausapotheken schließen. Der Trend setzt sich fort.

Zuletzt überarbeitet ( 02. Mai 2011 um 19:46 )
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20. Mai 2012 um 13:45